Architektur

 

Schloss Burgdorf - Residenz eines mächtigen Herzogs

Die Burg geht in ihrer Grösse und ihrem Repräsentationsrahmen weit über denjenigen von gleichzeitigen zähringischen Anlagen hinaus. Sowohl die Burg Thun wie die Nydegg in Bern waren zwar mächtig, aber einfache Wohntürme, in denen ein Statthalter des Herzogs, aber nie der Herzog selber gewohnt haben dürfte.

Das reiche Raumprogramm von Burgdorf bot Platz für ein differenziertes höfisches Leben. Hofdamen, Musiker, Gelehrte, Minnesänger, vielleicht sogar ein Hofnarr: All das darf man sich tatsächlich vorstellen, denn die Burg sollte offenbar als zentrale Residenz und Mittelpunkt des geplanten Herzogtums Burgund dienen.

Bis heute sind die wesentlichen Bauelemente der Burg erhalten geblieben:

Der Bergfried, ein mächtiger Hauptturm, an der höchsten Stelle des Areals, der nicht nur als Festungsturm und Ausguckturm diente, sondern auch als weithin sichtbares Zeichen symbolisch die Präsenz der Herzöge markierte.
Der Palas, der hohe Hauptbau der Burg, der nicht nur Wohnung, sondern auch der Darstellung der Macht der Zähringer diente. Er enthielt mehrere Säle für den herzoglichen Hof, unter anderem auch den Rittersaal sowie eine Privatkapelle für die herzogliche Familie und Schlafräume.
Die Halle, ein Anbau an den Palas, der ursprünglich nur aus einem grossen Raum bestand, einer Festhalle.
Eine weitere Burgkapelle an der nordseitigen Ringmauer (heute jedoch nicht mehr vorhanden).

Verschiedene Elemente unterstreichen die Vornehmheit der Anlage, so die Grösse des Palas mit seinen vielen Räumen, der in unserem Raum seltenen Hallenbau nach dem Vorbild der halls in Westeuropa und auf den Britischen Inseln sowie die Tatsache, dass es gleich zwei Burgkapellen gab. Aussergewöhnlich für die Zeit um 1200 war die innere Erschliessung mittels einer steinernen Wendeltreppe und das Baumaterial für die Burg: Sie wurde nämlich mit grossen Backsteinen errichtet, etwas, was es um 1200 in unserem Raum noch nirgends gab. Den Emmentaler Bauern und Kleinadligen muss der Mund vor Staunen offen geblieben sein ob dem hoch ragenden orangefarbenen Steingebirge auf dem Schlossfelsen! Und das war durchaus beabsichtigt.